Physiotherapie

 

Die Physiotherapie ist eine der ältesten natürlichen Heilmethoden.

Der Begriff Physiotherapie stammt ursprünglich aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten Physis = Natur und Therapeia = dienen/heilen zusammen.

Physiotherapie ist der Oberbegriff für Bewegungstherapie und physikalischen Maßnahmen und ersetzt die früher übliche Bezeichnung "Krankengymnastik"

Als natürliches Heilverfahren nutzt die Physiotherapie natürliche Anpassungsmechanismen des Körpers, um Störungen körperlicher Funktionen gezielt zu behandeln, oder als Maßnahme in der Gesundheitsvorsorge (Prävention) diese zu vermeiden.

In der Humanmedizin ist die physiotherapeutische Behandlung bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, zur Rehabilitation nach Unfällen und Operationen, sowie bei internistischen Erkrankungen schon lange selbstverständlich. Auch Tiere leiden unter ähnlichen Erkrankungen und profitieren von den zahlreichen Behandlungsformen der Physiotherapie.         In Ländern wie den USA, Großbritannien und den Niederlanden wird die Physiotherapie für Tiere schon länger erfolgreich eingesetzt. Aber auch in Deutschland ist die Tier-Physiotherapie längst zur anerkannten Behandlungsmethode geworden und wird immer häufiger als Begleittherapie zur tierärztlichen Behandlung verordnet. In der Tiermedizin kommt die Physiotherapie überwiegend zur Behandlung funktioneller Störungen des Bewegungsapparates, sowie nach Operationen und Unfällen zur Rehabilitation zum Einsatz. 

Ziel einer physiotherapeutischen Behandlung ist die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der Gesundheit.

 

Die Physiotherapie stellt eine sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen und operativen Behandlung dar.

 

 

 

Anwendungsgebiete:


Degenerative Gelenkerkrankungen

Arthrosen

 

Dysplasien

Hüftgelenksdysplasie, Ellenbogengelenksdysplasie

 

Wirbelsäulenerkrankungen

Spondylose, Bandscheibenvorfälle, Verletzungen, Wobbler-Syndrom usw.

 

Neurologische Erkrankungen

Bandscheibenvorfälle, Cauda equina-Kompressionssyndrom, Ataxin,

Lähmungen, Wobbler-Syndrom

 

Muskelverspannungen

Verspannungen und Verhärtungen der Muskulatur, verursacht durch Fehlbelastungen auf Grund von Schmerzen oder Stress


Angeborenen Fehlstellung

 

Begleitende Behandlung vor Operationen                            Schmerzlinderung, Muskelaufbau

 

Zur Rehabilitation nach Unfällen, Verletzungen und Operationen

Unterstützung zur schnelleren Wiedererlangung ursprünglicher

funktioneller Fähigkeiten

 

Geriatrie

zur Gesunderhaltung und Steigerung des Wohlbefindes bei älteren Tieren,

bei altersbedingten Erkrankungen und Bewegungseinschränkungen                                                                                                             

Zur Unterstützung beim Sport

Förderung der Leistungsfähigkeit, Vermeidung von Fehlbelastungen

 

Wellness-Massage

zur Förderung des körperlichen und emotionalen Wohlbefindens

zur Vorbeugung von Erkrankungen und zum Abbau von Stress

 

 

 

Angewandte physiotherapeutische Techniken in unserer Praxis

 

 

 

 

Massagen werden angewendet wenn es darum geht Schmerzen zu lindern und Verspannungen zu lösen. Durch die Massage wird die Durchblutung der Haut und Muskulatur gefördert, Verklebungen im Bindegewebe werden gelöst und Stoffwechselprodukte besser abgebaut. Eine Massage wird meist in Kombination mit einer Wärmebehandlung durchgeführt. Dadurch wird die Durchblutung der Muskulatur schon vor der Massage angeregt, und Verspannungen können leichter gelöst werden.

Um eine Massage noch effektiver zu gestalten, können zusätzlich Massagehilfsmittel wie Igelbälle, Massagebürsten und Massageroller eingesetzt werden.

Massagen sollten vor einer Bewegungstherapie angewendet werden, denn mit einer entspannten Muskulatur die weniger schmerzt, macht Bewegung mehr Freude.

Mit einer Massage lassen sich jedoch nicht nur körperliche sondern auch psychische Symptome positiv beeinflussen.

Durch sanfte Berührungen wird Vertrauen aufgebaut, ängstliche und nervöse Tiere entspannen sich

 

Kontraindikationen

 

Massagen sollten nicht angewendet werden bei:

 

  • Infektionskrankheiten und Fieber
  • Dekompensierter Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Hauterkrankungen
  • frische Verletzungen
  • Blutungsneigungen

 

 

 

Die Atemtherapie    

 

Die Atemtherapie kommt bei Tiere zur Anwendung, die an einer Atemwegserkrankung leiden, oder auf Grund einer Erkrankung bzw. Verletzung in ihrer Aktivität eingeschränkt sind. Inaktive Tiere atmen meist nur sehr flach und langsam, wodurch es zu einer ungenügenden Durchlüftung der tiefer gelegenen Lungenabschnitte kommt und die Gefahr einer Lungenentzündung droht.

Durch den Einsatz spezieller Massagetechniken und der Anwendung von Wärme werden Atemwiderstände gesenkt, das Tier wird angeregt richtig zu atmen und seine Atmung zu vertiefen. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung und die Durchblutung des gesamten Organismus optimiert.

 

Anwendungsgebiete der Atemtherapie

 

  •  bei Erkrankungen der Atemwege (Asthma, akute und chronische Bronchitis)

           zur Lösung und Abtransport von Bronchialschleim aus der Lunge

              

  •  nach Operationen zur Prophylaxe
  •  bei ängstlichen und gestressten Tieren zur allgemeinen psychischen

           Entspannung und zur Verbesserung der Körperwahrnehmung

  •  bei älteren inaktiven Tieren wird durch die Atemtherapie eine

           Atemerleichterung, sowie eine Atemvertiefung und damit eine

           Verbesserung der Sauerstoffversorgung des gesamten Organismus

           erreicht.

 

 

 

 

 

Das Ziel der Bewegungstherapie ist die Gelenkbeweglichkeit zu mobilisieren um die natürlichen physiologischen Bewegungsabläufe wieder herzustellen. Durch die Bewegungstherapie werden geschwächte Muskeln aktiviert und gekräftigt und das Muskelgleichgewicht wieder hergestellt.

Zur Bewegungstherapie gehören passive und aktive Bewegungen.

 

Passive Bewegungstherapie

 

Bei der passiven Bewegungstherapie werden alle Bewegungsabläufe vom Therapeuten übernommen. Diese Therapieform wird nach Operationen am Bewegungsapparat und bei Nervenerkrankungen, die mit Lähmungen einhergehen angewendet.

Die passive Bewegungstherapie wird zu Beginn einer Behandlung durchgeführt, um die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern.

 

Aktive Bewegungstherapie

 

Das Ziel der aktiven Bewegungstherapie ist der Muskelaufbau, die Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination, sowie die Schulung von Gleichgewicht und Motorik.

Bei der aktiven Bewegungstherapie führen die Tiere unter Anleitung des Therapeuten Bewegungsabläufe selbständig durch. Dabei kommen verschiedene Geräte, wie Trampolin, Schaukelbrett, Hürden, Übungsparcours und andere Gymnastikgeräte zum Einsatz.


Isometrische Übungen

 

Die Isometrie ist eine besondere Form des Muskeltrainings. Durch spezielle Übungen erzeugt man einen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung bestimmter Muskelgruppen, ohne Gelenke und Muskeln zu bewegen. Dabei kommt es zu keiner Längenänderung des Muskels.

Durch isometrische Übungen wird die Muskulatur gekräftigt ohne die Gelenke zu belasten. Außerdem erreicht man eine Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichts.

Isometrische Übungen werden vorwiegend postoperativ durchgeführt, um den Verlust an Muskelmasse bei verordneter Gelenkschonung entgegenzuwirken.

 

Schritttraining

 

Beim Schritttraining soll das Tier die gleichmäßige Wiederbelastung der Gliedmaßen trainieren. Dabei ist es wichtig, dass das Tier langsam (im Schritt) geht, um eine gleichmäßige Belastung aller vier Gliedmaßen und somit einen positiven Effekt auf die Feinmuskulatur zu erreichen.

Am Anfang sollte das Schritttraining auf ebenen, glatten Untergrund durchgeführt werden. Später kann man auf wechselnden Untergründen und an Steigungen üben, um Koordination und Balance weiter zu verbessern.

Das Schritttraining kann ohne zusätzlichen Zeitaufwand leicht in die täglichen Spaziergänge eingebaut werden.

 

Gerätetraining

 

Beim Gerätetraining werden durch gezielte Übungen an verschiedenen Trainingsgeräten, die Motorik, Koordination und Kondition des Tieres weiter verbessert.

Die Muskulatur wird stabilisiert und gestärkt.

 

 

Elektrotherapie (TENS/EMS)

 

TENS - die Transkutane Elektrische Nervenstimulation ist eine Reizstromtherapie die hauptsächlich zur Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen, sowie zur Förderung der Durchblutung und bei Muskelverspannungen angewendet wird. Bei der Transkutanen Elektrischen Nervenstimulation werden über Elektroden elektrische Impulse auf die Hautoberfläche übertragen und zu den Nervenbahnen weitergeleitet. Durch die elektrische Stimulation werden periphere Schmerzrezeptoren blockiert und die Schmerzweiterleitung zum Gehirn unterbrochen. Zusätzlich kommt es zur Ausschüttung morphin-ähnlicher Substanzen (Endorphine) die ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.

 

Anwendungsgebiete:

 

  • Schmerzbehandlung
  • Muskel- und Nervenstimulation
  • zur Entspannung verspannter Muskeln

 

 

 

Thermotherapie

 

Bei der Thermotherapie wird je nach Krankheitsbild mit Kälte- oder Wärmeanwendungen gearbeitet.

 

Wärmeanwendung

 

Wärme wirkt schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und entspannend. Durch die Anwendung von Wärme wird die Stoffwechselaktivität gesteigert.

Die Wärmebehandlung kann mit Hilfe eines Infrarotstrahlers, der heißen Rolle, einem heissen Wickel oder einem Körnerkissen durchgeführt werden.

 

Indikationen

 

  • zur allgemeinen Entspannung und Beruhigung
  • chronische degenerative Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates (Arthrose)
  • muskuläre Verspannungen
  • zur Bindegewebelockerung
  • bei Magen- Darmerkrankungen (Spasmen)

 

Kontraindikation

 

  • akute Entzündungsprozesse
  • Krebserkrankungen
  • Fieber

 

Kältetherapie

 

Die Anwendung von Kälte wirkt schmerzlindernd, abschwellend, entzündungshemmend und bei längerer Anwendung ebenfalls Muskelentspannend.

 

Indikation

 

  • akute entzündliche Prozesse z. Bsp. Arthritis, akute rheumatische Schübe
  • bei Prellungen und Zerrungen zur Vermeidung von Schwellungen
  • bei Ödemen und Blutergüssen
  • zur Fiebersenkung

 

Kontraindikation

 

  • Durchblutungsstörungen
  • lokal bei offenen Wunden
  • schwere Herzerkrankungen

 

 

 

 

Ablauf der physiotherapeutischen Behandlung

 

Für die Erstellung eines individuell auf Ihr Tier abgestimmten Therapieplanes ist eine ausführliche physiotherapeutische Befundaufnahme erforderlich. Dazu gehören neben einer tierärztlichen Diagnose, ein ausführliches Anamnesegespräch und eine umfassende körperliche Untersuchung. Es wäre hilfreich, wenn Sie zu unserem ersten Termin vorhandene Untersuchungs-unterlagen Ihres Tierarztes und eventuell vorhandene Röntgenaufnahmen bereit halten. Gegebenfalls halte ich vor Beginn einer Behandlung noch einmal Rücksprache mit Ihrem Tierarzt.

Anhand der ermittelten Untersuchungsergebnisse erstelle ich einen speziell auf Ihr Tier abgestimmten Therapie- und Trainingsplan, welcher die ausgewählten Therapiemaßnahmen, die angestrebten Behandlungsziele, sowie ein Hausaufgabenprogramm enthält.

 

Wieviele Behandlungen sind notwendig ?

 

Die Anzahl der Behandlungseinheiten ist individuell und richtet sich nach der Art der Erkrankung sowie den Fortschritten der Behandlung. Erfahrungsgemäß sind zwischen 6 und 10 Behandlungseinheiten notwendig, um das geplante Behandlungsziel zu erreichen.

Die Dauer einer Behandlungseinheit beträgt ca. 30 Minuten.

 

Warum Hausaufgaben ?

 

Sie als Patientenbesitzer können die Therapie wirkungsvoll unterstützen und wesentlich zum Therapieerfolg beitragen, wenn Sie anhand eines Hausaufgabenprogramms und einer entsprechenden Einweisung bestimmte Übungen auch zu Hause durchführen. Das Hausaufgabenprogramm kann in der Regel leicht und mit geringem zusätzlichen Zeitaufwand in den täglich Alltag eingebaut werden.

 

Was Sie beachten sollten !

 

  • Hunde sollten ca 3 Stunden vor einer Therapiesitzung nichts mehr zu fressen bekommen.
  • Vor der Behandlung sollte der Hund die Möglichkeit haben sich zu lösen.
  • Bei fieberhaften Erkrankungen oder Verdauungsstörungen kann keine Behandlung durchgeführt werden.
  • Nach einer Behandlung sollten keine ausgedehnten Spaziergänge oder sportliche Aktivitäten stattfinden.

 

 

Die Physiotherapie unterstützt und ergänzt die tierärztliche Behandlung, kann und soll diese jedoch nicht ersetzen!